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Orte: Wien; Orte an der Front/Kriegsschauplätze im 2. Weltkrieg: Chatillon-sur-Loire in Frankreich, Orjol (Orel) an der Oka in der Sowjetunion u.a. Quellentypen: Korrespondenz (Kriegsgefangenenpost aus dem 1. Weltkrieg, Feldpost aus dem 2. Weltkrieg, Familienkorrespondenz, Korrespondenz aus der Emigration): 6 Schreiben; 8 amtliche Dokumente; 3 Fotografien; Weiteres: Mappe/Etui für Marken Zum Bestand: Adressatin: Hermine Z. (geb. H.); 1908-1994, geb. und gest. in Wien
Schreiber: Wilhelm Z.; geb. 1910 in Wien, gest. 1942 in Fedischtschewo in der Sowjetunion
Übergeberin: Elfriede P.-B. (Cousine von Hermine Z.), 2002 und 2006
Der schriftliche Nachlass von Hermine Z. (geb. H.) setzt sich aus verschiedenen Einzeldokumenten zusammen:
Aus August 1916 ist eine Kriegsgefangenenpostkarte erhalten, die ein unbekannter Soldat an ihre Mutter Marie H. gerichtet hat. Darauf gibt der Absender, der sich als ein "Bekannter" ihres Sohnes Alexander H. unterschreibt, Auskunft über dessen bisher ungewissen Verbleib: "Werte Frau H.! Ich habe gesehen Ihren Sohn Alexander H.. Er ist wohl gesund. Seine Adresse lautet Zucker-Fabrik Burin (…) Bekannter".
Auf einer als Scan vorhandenen Atelierfotografie sind (vermutlich) Marie H., einer ihrer zwei Söhne in Uniform und eine ihrer zwei Töchter abgelichtet.
Hermine Z. hatte eine Lehre als Federschmückerin abgeschlossen und war als Arbeiterin in der Papierfabrik Koreska in Wien Ottakring beschäftigt. Im August 1938 heiratete sie den Tischlergehilfen Wilhelm Z.. Von den beiden liegen zwei 1940 aufgenommene Porträtfotografien vor.
Aus der Korrespondenz des Paares sind 5 Feldpostschreiben erhalten, die Wilhelm Z. zwischen August 1940 und April 1941 von nicht genannten Orten der Front an sein "liebes goldenes Weiberl" geschrieben hat. Der 30-Jährige hielt sich dabei in Frankreich u.a. in Chatillon-sur-Loire auf, wo er auf „Streife“ ging und kurzzeitig in einem Hotel untergebracht war, dessen Briefpapier er auch verwendet hat. Die Briefe handeln von Geld- und Paketsendungen und dem Funktionieren der Feldpost, aber auch von der Sehnsucht nach zu Hause und von Gedanken zur aktuellen Situation des Schreibers: "Mein Liebes Frauderl jetzt ist es bald 7 Monate was ich von dir weg bin das ist beim Komis eine lange Zeit und in dieser Zeit habe ich auch viel schönes und viel böses Erlebt und Gesehen ich weiß nicht wie ich da Sagen soll es ist mir um die 7 Monate die mann mir genommen hat leid und andererseits habe ich in diese Zeit soviel Gesehen was nicht einen guten Menschen vergönnt ist und noch dazu ist mann in dieser Zeit […] ein richtieger Mann geworden wenn ich heute nachhause komme s kann mir keiner mehr mehr etwas vormachen den ich wahr dabei beim Kampf gegen Frankreich und fast immer an der Spitze". (20. August 1940)
Im Februar 1942 wurde Wilhelm Z. bei Kampfhandlungen in Fedischtschewo in der Sowjetunion getötet. Neben seiner gedruckten Todesanzeige sind 6 zwischen Dezember 1922 und November 1994 ausgestellte amtliche Dokumente sowie Hermine Zeinlingers Parte aus 1994 Teil ihrer schriftlichen Hinterlassenschaft.
Eine lose Mappe (vermutlich für Marken) trägt den Werbeaufdruck von einem „Kleiderhaus“ auf der Wiener Thaliastraße.
Autobiografische Texte von Elfriede P.-B. und Alexander H. sind Teil der Bestände der Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen. |