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Einrichtung: FrauenMediaTurm | Köln
Signatur: FE.10.226
Verfasst von: Schwarzer, Alice info
Ausgabe: Erw. und aktualisierte, ungekürzte Ausg., 17. Aufl.
Jahr: 1975
Beschreibung: Ill.
ISBN: 3596218055
Sprache: Nicht einzuordnen
Beschreibung:
Sexualität ist für die Autorin "der Angelpunkt der Frauenfrage", ist "zugleich Spiegel und Instrument der Unterdrückung der Frauen". Das Buch ist ein Beitrag zur Sexualpolitik und analysiert vor allem die Auswirkung der privaten Beziehung zwischen den Geschlechtern auf Frauen. Es besteht aus einem Protokoll-Teil - Interviews mit 15 Frauen aus typischen Lebenskonstellationen - und einem Theorieteil, der in erster Linie ein Beitrag zur Funktion der Sexualität bei der Unterdrückung der Frauen durch den eigenen Mann/ Freund ist, aber auf ökonomische, psychologische, historische und aktuelle Fragen eingeht. Die Protokolle zeigen gerade in der Sexualität eine tiefe Kluft, ein großes Unverständnis und ein Macht/Ohnmacht-Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Explizit geht Schwarzer auf die Folgen der "sexuellen Befreiung" ein, die oft nur neue Zwänge für Frauen gebracht haben: statt sich, wie früher, verweigern zu können, haben sie nun, auch bei Unlust, zur Verfügung zu stehen. Schwarzer plädiert für eine weder von Männern noch von Frauen funktionalisierte, sondern selbstbestimmt weibliche Sexualität, bei der Frauen sich auch Unlust zugestehen, aber nach den Gründen fragen sollten (zwei Drittel aller Frauen sind nach ihren Schätzungen permanent oder phasenweise "frigide"). S. analysiert den vaginalen Orgasmus als "Mythos" und die herrschende Sexualität als "Zwangsheterosexualität". Die sei das Fundament des "Liebes-Monopols", auf dem die psychologische, soziale undökonomische Abhängigkeit und Ausbeutung von Frauen durch Männer aufbaue. Sich u.a. berufend auf Klassiker der Sexualwissenschaft und Psychoanalyse wie Kinsey und Freud, geht Schwarzer von einer natürlichen Bisexualität oder "polymorphen Sexualität" des Menschen aus. Ausschließliche Heterosexualität ist für sie nicht Natur, sondern Kultur, und im Patriarchat Politikum, wobei sie gleichzeitig ausdrücklich vor "neuen Normen", wie einer Propagierung der Homosexualität, warnt. Die gesamte Rollenzuweisung der Geschlechter ist für sie nicht biologisch begründet, sondern ideologisch. Ihre Utopie für Frauen: "nicht länger weiblich zu sein, sondern menschlich". \[W9]\Das Buch war der am heftigsten diskutierte feministische Bestseller der 70er Jahre. Es erregte bei seinem Erscheinen 1975 großes Aufsehen. Wie zahlreiche Presseberichte und spätere Publikationen belegen, zogen zahllose Frauen nach der Lektüre direkte Konsequenzen für ihr Leben. In Öffentlichkeit und Medien wurde Alice Schwarzer durch das Buch zum umstrittenen Symbol der Frauenbewegung in der BRD. An hämischen Kommentaren fehlte es nicht (siehe dazu das Nachwort). Die Angriffe auf Schwarzer nahmen teilweise Züge einer Kampagne, ja eines "Pogroms" ("Die Zeit") an.
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