Archivgut Nachlass

Dietgart P. NL 2 II

Juni 1934 bis April 1976

Weitere Informationen

Einrichtung: Sammlung Frauennachlässe | Wien
Jahr: Juni 1934 bis April 1976
Beschreibung:

Orte: Wien; Gentofte, Jytland, Kopenhagen und Söborg in Dänemark; Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien u.a.


Quellentypen: Tagebuch (Frauentagebücher): 10 Bände; Aufzeichnungen in Buchform: 11 Taschenkalender, 8 Haushaltsbücher/Ausgabenbücher; Korrespondenz (Familienkorrespondenz, Paarkorrespondenz, Feldpost aus dem 2. Weltkrieg, Korrespondenz aus der Emigration): ca. 490 Schreiben; Dokumente zur Schullaufbahn: 10 Schulhefte; Weiteres: Zeichnungen


Zum Bestand: Schreiberin: Dietgart P. (geb. H.); 1914-1982, geb. und gest. in Wien

Übergeber/innen: Friedrich P. (Ehemann von Dietgart P.) und Gunvor S. (Nichte von Dietgart P.), 1997-2012



Dietgart P. (geb. H.) wurde 1914 als jüngere der zwei Töchter der Lehrerin Mathilde H. (geb. H., 1884-1970) und des Lehrers Ottokar H. (1879-1959) in Wien geboren. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg verbrachten sie und ihre Schwester Ruthilt L. (geb. H., 1911-1993) mehrmals die Sommermonate zur Erholung in Jytland in Dänemark. Der Kontakt der "Wiener Kinder" mit ihrer Gastfamilie war über eine Aktion des Roten Kreuzes zustande gekommen und wurde ein Leben lang aufrechterhalten. Dietgart P. absolvierte eine Lehre als Gold- und Silberschmiedin in der Frauen-Werkstätte von Eilfriede Berbalk. 1940 heiratete sie den Architekten Friedrich P. (1910-1997), ihre beiden Kinder kamen 1940 und 1944 zur Welt. Bis sie 1950 ein Einfamilienhaus in Wien Hietzing bezogen, lebte Dietgart P. mit ihrer Familie in einer Gemeindebauwohnung in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihren Eltern Mathilde und Ottokar H. in Wien Hernals. In ihrem Haus hatte sie eine Werkbank eingerichtet; Dietgart P. war zeitlebens künstlerisch tätig.

Ihr schriftlicher Nachlass umfasst 10 als Tagebücher verwendete Taschenkalender von 1958 bis 1967, 11 sporadisch beschriebene Taschenkalender von 1952 bis 1963 sowie 8 Haushaltsbücher/Ausgabenbücher mit Einträgen von 1940 bis 1942 (diese Bücher enthalten auch zahlreiche Einlagen) sowie von Mai 1966 bis März 1968.

Ihre Korrespondenzen umfassen zum einen den – zum Teil gemeinsam mit der Mutter Mathilde H. geführten – umfangreichen Briefwechsel mit ihrer in Dänemark in der Emigration lebenden Schwester Ruthilt L. von Jänner 1926 bis April 1976 (verzeichnet unter NL 2 I) sowie Korrespondenzen mit den Eltern. Daneben sind Liebesbriefe an den (späteren) Ehemann Fritz P. sowie Korrespon-denzen mit weiteren Familienangehörigen vorhanden. Die von Dietgart P. verfassten Schreiben sind häufig mit Zeichnungen versehen. Ihr Nachlass enthält zudem eine Vielzahl weiterer Zeichnungen sowie 10 Hefte aus der Volkschule.

2016 wurde von Ewald P. die Feldpost von Dietgart und Fritz P. aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs nachgereicht. Die Briefe sind beidseitig vorhanden und in Orndermappen eingeheftet vorsor-tiert. Von Dietgart P. sind ca. 190 Schreiben aus dem Zeitraum von Dezember 1940 bis Jänner 1945 erhalten. Die spätesten Briefe wurden dem Vermerk nach nicht abgeschickt. (Ein früherer Brief ist von Juli 1940). Von Fritz P. sind ca. 390 Schreiben gesammelt, die den Zeitraum von Juli 1940 bis März 1945 abdecken. Ein vorformulierter Abschiedsbrief für den Anlass des Todes aus Jänner 1945. Die Korrespondenzen setzen sich aus Postkarten, einzelnen Telegrammen und Briefen zusammen, die teil-weise mehrere Seiten lang sind. Fritz P. hat darin auch häufig kleine Zeichnungen für seine Ehe-frau und die Kinder angefertigt. Die Schreiben von Dietgart P. sind durchwegs in kleiner Schrift verfasst, manche wurden über mehrere Tage geschrieben, einige enthalten gepresste Blumen. Zu Weih-nachten 1942 hat sie eine aufwändige Bleistiftzeichnung angefertigt, die ws. sie und ihren kleinen Buben darstellt. Der 1940 geborene Ewald hat auch in mehreren Poststücken „unterschrieben“. Die Anreden sind „Lieber guter Wuschelmann“ und „Meine liebe Wuschelmaus!“ Fritz P. war (u.a.) an der Ost-front stationiert. (Eine Ortsangabe von 1941 ist Pardubice in Tschechien.) Ein Thema in den Briefen ist u.a. eine (vermutliche) psychische Erkrankung.

2019 veröffentlichte Gunvor S., die Nichte von Dietgart P., im Selbstverlag das autobiografische Buch "100 Jahre Ping Pong. Eine Familie zwischen Österreich und Dänemark" (257 Seiten), in dem sie sich aus der Retrospektive auch mit den Biografien von Mathilde H., Ruthilt L. und Dietgart P. beschäftigt hat.



Der Arbeitstisch von Dietgart P. wurde dem Gold- und Silberschmiedmuseum in Wien VII. übergeben.



Die Nachlässe von Dietgart P., ihrer Mutter Mathilde H. (SFN NL 1) sowie ihrer Schwester Ruthilt L. (SFN NL 2 I) wurden seit 1997 durch mehrfache Nachreichungen stetig erweitert. 2014 waren das 3 schwarze Ordnerkartons mit Feldpost von Dietgart und Friedrich P. aus dem 2. Weltkrieg. Diese befinden sich in Bearbeitung.

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