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Orte: Schönfeld in Salzburg; Wien; Krakau (Kraków) in Polen; Liptau (Liptó-Szent Miklós) in der Slowakei u.a. Quellentypen: Korrespondenz (Familienkorrespondenzen und Kinderkorrespondenzen): 7 Schreiben; 30 amtliche Dokumente; 46 Dokumente zu Ausbildung und Berufslaufbahn; 101 Fotografien; Weiteres: 2 gerahmte Bildmotive, 1 Heraldische Wappenbeschreibung, 1 Temperatur- und Pulskurve, 1 Ausstellungskatalog u.a. Zum Bestand: Schreiberin/Adressatin: Sophie M. (geb. Friedemann), geb. 1858 in Krakau (Kraków) in Polen, gest. 1941 in Wien
Schreiber/Adressat: Josef Moritz M., geb. 1858 in Triest (Trieste) in Italien, gest. 1922 in Wien
Übergeberin: Renate M. (Ehefrau des Enkels von Sophie und Josef Moritz M.), 2023
Sophie M. (geb. Friedemann) ist als fünfte von acht Geschwistern in Krakau aufgewachsen. Ihre Eltern Elisabeth Friedemann (geb. Hulka, 1820-1872) und Wilhelm Friedrich Friedemann (1807-1878) kamen aus Böhmen, hatten 1844 in Wien geheiratet und führten in Krakau ein Geschäft. Von Wilhelm Friedrich Friedemann sind 2 Bilder zur Taufe aus 1807 sowie ein Brief aus März 1876 erhalten, in dem er die Besitz- und Familienverhältnisse ausführlich dargelegt hat. 1 zu Neujahr 1905 an Familie M. in Wien versendete Fotopostkarte zeigt das Uhrmacher-Geschäft „W. Friedemann“ in Liptó-Szent Miklós (Liptau). Von Wilhelm Friedrich Friedemann ist eine Sammlung an 5 amtlichen Dokumenten auf Glasplatten überliefert. Darunter finden sich 1 Bestätigung des königlich-sächsischen Untertanenrechts aus Februar 1833 und 1 Heimatschein aus Februar 1856. Des weiteren sind 2 Bilder zur Taufe Friedrich Wilhelm Friedemanns aus 1807 sowie ein Brief aus März 1876 erhalten, in dem er Besitz- und Familienverhältnisse ausführlich dargelegt hat. Dazu wurden 1 (undatierte) heraldische Wappenbeschreibung und 1 Wappenzeichnung hinterlassen, welche die Familie Friedemann anfertigen ließ.
1889 heiratete Sophie M. in Wien den Rechnungsrat Josef Moritz M. (1858-1922). Sie hatten drei Kinder, Josef Robert (1891-1959), Sophie Stephanie (1892-1980) und Auguste Adele M. (1894-1973), und lebten im 18. Wiener Gemeindebezirk.
Josef Moritz M. ist in Triest (Trieste) aufgewachsen. Seine Mutter Karoline M. (geb. Opustil, 1833-1883) kam von hier, sein Vater Josef Christoph M. (1829-1885) war Bankbeamter und gebürtig aus Wien.
Aus Josef Moritz Mayrhofers Kindheit sind 5 Briefe mit Gedichten und Berichten erhalten, die er zwischen 1866 und 1870 an den beruflich verreisten Vater adressiert hat: „Die Mama läßt dir sagen, das wir alle gesund und wohl uns befinden“ (Wien, 28. August 1867). Seine Schulzeit in Triest ist anhand von 2 Einladungen zur öffentlichen Prüfung der gemeinschaftlichen evangelischen Schulen aus 1869, 1 Schüler:innenverzeichnis aus 1870 und 1 Jahresbericht der gemeinschaftlichen evangelischen Schulen aus 1871 dokumentiert. Zudem ist 1 „Temperatur- und Pulskurve“ seines Lungenarztes aus 1871 erhalten. 1872 übersiedelte die Familie nach Wien. Von hier ist ein „Denkzettel“ erhalten, den Josef Moritz M. zur Firmung 1874 erhielt. Laut einem Konzertprogramm aus 1877 besuchte er die „Musikalisch-deklamatorische Akademie“ und dann die Universität Wien, wovon 1 Zeugnis aus 1880 erhalten ist. Josef Moritz Mayrhofers 38-jährige Dienstzeit im k.k. Handels-Ministerium bzw. im Staatsamt für Verkehrswesen hat er in einem Schreiben an die Finanzlandesdirection Wien im Oktober 1920 bestätigt.
Auch die Schul- und Berufslaufbahnen von Sophie und Josef Moritz Mayrhofers Töchtern sind dokumentiert: Von Auguste M. sind 15 Zeugnisse und 3 Anstellungsdekrete aus der Zeit von 1910 bis 1931 erhalten. Sie hatte ab 1909 die „Privat-Lehrerinnenbildungsanstalt der Schwestern vom armen Kinde Jesus“ im 19. Wiener Gemeindebezirk besucht, 1910 wechselte sie in die „k.k. Lehrerinnen-Bildungs-Anstalt“ im ersten Bezirk, die sie 1914 mit Auszeichnung abschloss. Nach mehreren provisorischen Anstellungen an verschiedenen Wiener Schulen legte sie im November 1916 die Lehrbefähigungsprüfung für allgemeine Volksschulen ab, 1919 machte sie die Prüfung der „Methode der Erziehung und des Unterrichts schwachsinniger Kinder“, 1920 die Musiklehramtsprüfung mit Hauptfach Klavier am Musiklehrinstitut Lutwak-Patonay in Wien, 1925 und 1926 die Lehrbefähigungsprüfung zur Bürger:innenschule in den Fächern Naturlehre, Mathematik, Naturgeschichte und Pädagogik. Später war sie Direktorin einer Hauptschule in Wien.
Von ihrer Schwester Sophie Stephanie M. sind 14 Zeugnisse aus der Zeit von 1898 bis 1915 erhalten. Sie hatte nach der Bürger:innenschule eine Ausbildung zur Musiklehrerin gemacht, die sie im Hauptfach Klavier im Mai 1915 abschloss. Ab 1916 arbeitete sie zunächst als „freie Beamtenaushilfskraft“ beim Post-Fachrechnungsdepartment 2 in Wien und später als Telefonistin bei der Futtermittelstelle des Staatsamtes für Volksernährung, bei den Firmen Kola & Co. und Hochsinger & Abel. Diese Anstellungen sind durch 4 Dienstzeugnisse dokumentiert. 3 Visitenkarten belegen zudem Sophie Stephanie Mayrhofers Tätigkeit als Klavierpädagogin. Sophie Stephanie M. lebte gemeinsam mit ihrer Schwester Auguste M. in Wien.
Von Sophie Mayrhofers amtlichen Dokumenten ist ein Heimatschein aus 1939 für Wien Währing erhalten, der das Weiterbestehen des 1914 ausgestellten Heimatrechtes bestätigt. Zudem finden sich 1 Partezettel ihres Ehemannes Josef Moritz M. aus Jänner 1922 und 1 Personalkarte ihrer Schwägerin Karoline M. aus 1939. Von Sophie Stephanie M. sind 1 Identitätsausweis aus 1947, 1 Mitgliedsschein des österreichischen Gebirgsvereins aus 1953, 1 Reisepass aus 1956 sowie 2 Partezettel aus 1980 vorhanden. Von Auguste M. sind Tauf- und Sterbeurkunden sowie 2 Partezettel aus 1973 erhalten. Zudem finden sich amtliche Dokumente von Hedwig M. (1895-1979, Nichte von Josef Moritz M.) und Karl H. (1893-1972, Neffe von Josef Moritz M.).
Der Fotografiebestand enthält 101 Bilder, darunter größtenteils Atelierportraits von Angehörigen der Familien M. und Friedemann sowie ihren Verwandten aus dem Zeitraum von 1868 bis 1977. 16 der Fotografien zeigen Hedwig M. (1866-1911) und deren Kinder Hedwig M. und Karl H.. Karl H. hatte 1920 seinen Nachnamen von M. auf H. (nach seinem Vater) ändern lassen. Von dem akademischen Maler ist 1 Ausschnitt eines Buches über ihn (in Kopie), das die familiäre Herkunft Karl Hoffmanns beschreibt erhalten. Zudem finden sich 1 Ausstellungskatalog aus 1949, 3 Einladungen zu Gedenkausstellungen aus dem Zeitraum 1972 bis 1997 und der Kunstdruck des Bildes „Maler der tanzenden Farben“.
Die Geschichte der Familie ist anhand einer umfangreichen Chronik dokumentiert. Sophie und Josef Moritz Mayrhofers Sohn Josef Robert M. hat in einem großformatigen Buch (vermutlich) Aufzeichnungen seines Großvaters Josef Christoph M. abgeschrieben und diese durch eigene Erinnerungen und Recherchen erweitert: „Begonnen im Jahre 1858 von Josef Christoph M. […]. Erweitert im Jahre 1938 von Josef Robert M.“. Auf 72 beschriebenen Seiten finden sich detaillierte Angaben zu Vorfahr:innen und Mitgliedern der Familie sowie zu Vorkommnissen in deren Lebensläufen. (Josef Robert Mayrhofers Schwiegertochter Renate M. hat ihrerseits eine Abschrift mit dem PC davon angefertigt.) Dazu hat Josef Robert M. eine Sammlung von 197 amtlichen Dokumenten von Vorfahr:innen zusammengetragen, die teilweise im Original, teilweise als Abschriften bzw. Neuausstellungen aus derNS-Zeit. Unter anderem finden sich hier weitere Dokumente von Sophie und Josef Moritz M.. Die Chronik und die Dokumentensammlung sind in Josef Robert Mayrhofers Nachlass SFN NL 301 III verzeichnet. |