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Orte: Drobollach in Kärnten; Achenkirch und Buch bei Jenbach in Tirol; Wien; Hamburg und Würzburg in Deutschland; Palermo in Italien; verschiedene Orte in Schweden; Sao Paolo in Brasilien; Villarrica in Paraguay; verschiedene Orte an der Front/Kriegsschauplätze im 2. Weltkrieg: u.a. Brüssel (Bruxelles) in Belgien und Lemberg (Lviv) und verschiedene Orte auf der Krim in der Ukraine bzw. Sowjetunion u.a. Quellentypen: Korrespondenz (Familienkorrespondenz, Paarkorrespondenz, Kinderkorrespondenz, Freundschaftskorrespondenz, amtliche und geschäftliche Korrespondenz, Feldpost aus dem 2. Weltkrieg): 222 Schreiben; 3 amtliche Dokumente; 2 Dokumente zur Universitätslaufbahn; autobiographische Aufzeichnungen: Familienchronik (5 Seiten), 1 Stammbaum; Weiteres: Anschriftenliste einer Hochschulgilde, Broschüren der Wandervogelbewegung Zum Bestand: Schreiberin/Empfängerin: Paula Dietz (geb. Zednik); 1909-1991, geb. und gest. in Wien
Schreiber/Empfänger: Dipl.-Ing.Erich Dietz; 1905-1978, geb. und gest. in Wien
Übergeberin: Monika Hölzl (Tochter von Paula Dietz), 2018
Paula Dietz (geb. Zednik) ist gemeinsam mit ihren zwei Brüdern Fritz und Walter Zednik in Wien Hernals aufgewachsen. Im Sommer 1925 legte sie die Prüfung zur Kindergärtnerin ab. Sie war in der Wandervogelbewegung aktiv, was anhand von einzelnen Briefen aus den 1920er-Jahren dokumentiert ist: Ihre Freundin Gretl B. sprach in einem ihrer 3 erhaltenen Briefe aus 1924 und 1925 u.a. die Frage an, ob Mädchen und Burschen ihrer Meinung nach befreundet sein können (11. August 1925). Ein Wandervogel namens Ernst aus Oberösterreich diskutierte mit ihr brieflich die Frage des „ganzen Germanentums“ und Antisemitismus der „zertrunkenen Farbenstudenten“ und „Kur-Wandervögel“ (März 1926). 3 Briefe aus den frühen 1930er-Jahren wurden von Verehrern von Paula Dietz geschrieben. Einer lud sie im August 1933 zu einer „Faltbootpartie“ ein. Seine Begründung dafür war „Liebe auf den ersten Blick“.
In Zusammenhang der Wandervogelbewegung hat Paula Dietz auch ihren späteren Ehemann Dipl.-Ing. Erich Dietz kennengelernt. Er war zudem Mitglied der „Deutschen Hochschulgilde ‚Greif zu Wien‘“. Aus beiden Zusammenhängen sind einzelne Veröffentlichungen bzw. eine Adressenliste erhalten.
Erich Dietz war mit seiner jüngeren Schwester Helga Dietz-S. (geb. 1915) in Wien Ottakring aufgewachsen, sein Vater hatte eine Führungsposition in einer Druckerei inne. Aus seiner Kindheit ist ein Gratulationsbrief an den Großvater aus 1913 erhalten. In der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs verbrachte Erich Dietz Zeit zur Erholung auf einem Gutshof in Schweden. Davon sind jeweils 2 Briefe von ihm und 2 von seiner Mutter Marie Dietz (geb. 1878) erhalten: „Sei vernünftig und tue des Guten nicht zuviel, sonst hats erst nicht den erwünschten Erfolg. Dass unsre armen Hungerkünstlermägen sich erst gewöhnen müssen, läßt sich denken. Iss namentlich Fett nicht ohne Salz und Brot. Hoffentlich verschweigst Du mir nichts Ernstliches“ (Februar 1920).
Ein 1922 ausgestellter Pass dokumentiert die sehr rege Reisetätigkeit von Erich Dietz in den 1920er-Jahren. Er studierte an der Technischen Universität Wien Bauingenieurwesen und war dann als Zivilingenieur tätig. Aus seiner Studienzeit sind 2 Meldebücher der TU Wien mit Einträgen von 1925 bis 1933 erhalten. Von der Korrespondenz mit seinen Eltern liegen 1 Brief von Erich Dietz aus Hamburg aus 1926 sowie 3 Briefe von Marie Dietz nach Freiland (vermutlich in Niederösterreich) aus 1928 vor, wo er offenbar eine Anstellung hatte: „Scheinst es wirklich gut getroffen zu haben. Ob Du nur keine Etikettefehler machst? Du hättest, als Dich der Leiter einlud, doch vor dem Nachtmahl vormittags Dich bei der Frau vorstellen gehen müssen. Vielleicht nimmt man es aber nicht so genau, dann ist es für Dich um so angenehmer“.
Die umfangreiche Paarkorrespondenz von Paula und Erich Dietz aus der Zwischenkriegszeit umfasst 125 Schreiben aus dem Zeitraum 1933 bis 1935. Teilweise wurden diese Briefe innerhalb von Wien ausgetauscht, teilweise waren sie jeweils auf Reisen oder zum Arbeiten an einem anderen Ort. So hielt sich Erich Dietz u.a. in Drobollach in Kärnten auf, 1934 leistete er „Arbeitsdienst“ im Straßenbau im Rahmen des „staatlichen Arbeitslagers“ in Buch bei Jenbach in Tirol und in Achenkirch. Die Briefe sind durchwegs in hastiger Schrift verfasst und schwer lesbar, häufig sind sie mehrseitig und oft nur vage datiert mit „Freitag Mittag“ etc. Manche wurden auch mit mehreren Unterbrechung geschrieben, z.B. während der Arbeitszeit von Paula Dietz. Die Briefe beinhalten neben einfallsreichen Kosenamen wie „Liebes Bingerle“ Bekundungen der gegenseitigen Sehnsucht: „Heut ist schon Dienstag! Hurra!! Heut in 3 Wochen weißt da hocken wir schon wo beisammen u erzählen u erzählen u beraten gelt - - - Du - - - Du“ (Paula Dietz, ohne Datum).
Aus Erich Dietz‘ Zeit in Tirol ist weiters 1 Urlaubspostkarte erhalten, die seine Schwester im April 1934 aus Palermo an „Erli“ geschrieben hat: „Und schöne Sachen gibt’s zum anschauen. Du würdest den ganzen Tag zeichnen.“
Sein „Onkel Toni“ berichtete im Sommer 1934 in 2 Schreiben davon, dass er als „Hofrat“ offenbar bei Entscheidungsträgern in Wien für Erich Dietz‘ berufliches Fortkommen interveniert hat: „Meine Erkundigung (…) hat ein gutes Ergebnis gehabt. 1. Es ist gut, daß Du dort in Verwendung bist, weil Du Dich bei diesem Straßenbau, der sehr lange dauern wird, in doppelter Weise einarbeitest: sachlich und dienstlich, denn der Bau wird verstaatlicht und Du kannst glatt in Staatsdienst übernommen werden. (Ministerialrat S.) wird dafür sorgen, daß Du dabei bleibst und bei diesem Straßenbau weiter verwendet wirst.“
Von Erich Dietz‘ ehemaligen Arbeitskollegen namens Hans sind 7 Schreiben von 1934 bis 1938 erhalten. Der junge Mann war offenbar inzwischen nach Würzburg gegangen. Thema seiner Briefe war der aktuelle Arbeitsmarkt: „Der Begriff ‚wenn es mir heute da nicht gefällt, dann gehe ich morgen eben wo anders hin‘ ist mir schon zu selbstverständlich. Das ist aber eine angenehme, auch die richtige, Folge der Arbeitsverhältnisse hier.“ Im Herbst 1937 bat der Freund Erich Dietz um Hilfe bei der Beschaffung von Abschriften der Pfarrmatriken seiner Vorfahr:innen und auch die Briefzensur wurde angesprochen: „Sind meine Briefe geöffnet worden? Es stand zwar nicht bedeutendes drinnen, aber sind sie nicht angekommen?“
An Paula Dietz sind u.a. 4 Briefe von 1935 und 1936 von Gertrud und Heinrich Brunner aus Brasilien und Paraguay adressiert. Sie waren Freund:innen aus der Jugendbewegung, Paula Dietz wird mit „Liebes Knöpferl“ angesprochen und es wird angedeutet, dass sie und Erich Dietz ebenfalls in Erwägung gezogen haben, nach Südamerika auszuwandern.
1939 und 1942 kamen ihre zwei Töchter (Alinde) Monika Hölzl (geb. Dietz) und Gundi (Irmgunde Undine) Dietz zur Welt. Die Familie lebte in einem Gartenhaus am Dreimarkstein in Salmannsdorf im Wienerwald im Bezirk Döbling.
Erich Dietz war im Zweiten Weltkrieg als Soldat in der Ukraine bzw. Sowjetunion u.a. in Lemberg (Lviv) und auf der Krim stationiert. Paula Dietz übersiedelte im Laufe des Kriegs mit ihren kleinen Mädchen von Wien nach Innsbruck, wo sie für einige Zeit bei ihrer Schwiegermutter Marie Dietz (geb. 1878) und der Schwägerin Helga Dietz-S. wohnte und in verschiedenen Haushalten arbeitete.
Von ihrer Freundin Ilse V. ist ein einzelner Brief erhalten, den sie im September 1940 vom Kriegsdienst in Brüssel im besetzten Belgien geschrieben hat: „Unsere Unterkunft ist aber wohl das primitivste, was man sich denken kann; einer deutschen Frau unwürdig jedenfalls. (…) Wir sind keine Wehrmachtsangehörigen (auf einmal!) keine Angestellten, einfach nichts. (…) Was müssen wir uns oft auf der Strasse anhören, aber {schon} von unseren eigenen Soldaten (…) Gelt, aber die Hilde soll meiner Mutti nichts davon erzählen“.
Aus der Feldpostkorrespondenz von Paula und Erich Dietz sind 60 Schreiben übergeben worden, die er zwischen Juni und Dezember 1943 geschrieben hat. Die Briefe sind nummeriert und mit Vermerken ihres Erhalts versehen. Erich Dietz schilderte darin detailliert seine Erlebnisse und Gedanken, beginnend mit der Fahrt nach Lemberg: „Die Fahrt von Balin hierher war ganz überraschend angenehm. Noch mehr überrascht hat mich die angenehme Gegend. Hab ich mir Galizien doch als Inbegriff der Trostlosigkeit vorgestellt und sehe statt dessen nur abwechslungsreiches, fruchtbares Land. Eine wie die Neulengbacher Gegend“ (3. Juli 1943). Ein hauptsächliches Thema ist die Trennung: „Ich sitz in einer trockenen Nische der Kathedrale von Lemberg und bin voll wehmutsvoller Sehnsucht. (…) Hoffentlich gibts keine größeren Sorgen bei Euch (Bauch??) denn das ist, ich merk es schon, das bitterste an der Trennung das der zweite Zwilling immer so lange auf Nachricht warten muß“ (4. Juli 1943). Den Militärdienst schätzte Erich Dietz folgendermaßen ein: „Ich finde es begreiflich daß man immer schon im Hinblick auf die ‚vormilitärische Erziehung‘ die verschiedenen Jugendbewegungen gefördert hat. Denn auch jetzt ist’s wie auf einer Fahrt. Der schwere Rucksack, hasten auf der Bahn, schlafen im Gepäcknetz, suchen nach Wasser, das Leben in den Schulen als Quartiere, alles ist wie zur alten Jugendzeit und damit nichts weniger als unangenehm“ (4. Juli 1943).
In der Nachkriegszeit lebte die Familie wieder in Salmannsdorf, seit Ende der 1950er-Jahre in einem neu gebauten Einfamilienhaus der Hinterbrühl im Wienerwald. Über einen Zweig ihrer Vorfahr:innen verfasste Paula Dietz 5-seitige handschriftliche familienchronologische Aufzeichnungen, die sie mit Kommentaren zu einzelnen Familienmitgliedern wie „reich“ u.ä. versehen hat. Über die Vorfahr:innen der Familie Dietz und Hiedl liegt im Familienbesitz eine umfangreiche Aufstellungen vor, die bis in das 18. Jahrhundert zurückreicht.
Die spätesten Dokumente im Nachlass von Paula Dietz und Erich Dietz sind 2 Reisepässe aus 1948 und 1951. Ihre Tochter Monika Hölzl besuchte die Modeschule Hetzendorf, war in der Textilbranche und bei HP tätig, Gundi Dietz wurde eine bekannte Keramikkünstlerin. |