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Orte: Attersee in Oberösterreich, Wien Quellentypen: Tagebuch (Jugendtagebücher, während dem 2. Weltkrieg geführte Tagebücher): 2 Bände (in Kopie); autobiografische Aufzeichnungen: Texte (ca. 50 Seiten); ca. 120 Fotografien (in 2 Fotoalbum) (als Scan) Zum Bestand: Schreiberin: Dr.in Hedwig S. (geb. Z.); geb. 1930 in Wien
Übergeberin: Dr.in Hedwig S., 2007
Dr.in Hedwig S. (geb. Z.) ist in bürgerlichen gut situierten Verhältnissen in Wien aufgewachsen. Beide Eltern waren Ärzt:innen und sich während des gemeinsamen Medizinstudiums kennen gelernt. Die Familie lebte in einer Wohnung in der Wiener Innenstadt nahe dem Rathaus. Die Familie der Mutter, Dr.in Rosina Z. (geb. K., 1900-1986,) besaß eine Textilfabrik in Sliwen in Bulgarien. Der Vater Dr. Erich Z. (1893-1978) war Primarius im Wiedener Krankenhaus. Bis 1938 hat Rosina Z. ihre drei Töchter dort selber unterrichtet.
1942 begann Hedwig S. damit, ein Tagebuch zu führen. Sie zu der Zeit 12 Jahre alt. Ihre Großmutter hatte 1942 anlässlich ihres 82. Geburtstages allen drei Enkeltöchtern einen Band geschenkt. Das erste der beiden (in Kopie) vorliegenden Bücher wurde zwischen 18. Februar 1942 und 31. August 1944 beschrieben. Das zweite Buch war eigentlich das Geschenk der Großmutter an Hedwig S.s jüngster Schwester Dorli Z. gewesen. Weil sie es aber nach einem einzigen Eintrag nicht mehr in Gebrauch hatte, wurde es jetzt von der älteren Schwester übernommen.
Die Einträge in diesem Tagebuch reichen vom 1. September 1944 bis zum 31. Dezember 1945. Beide Bücher umfassen 156 Seiten und sind jeweils voll beschrieben. Auffällig ist dabei das zunehmend winzige und kaum leserliche Schriftbild, das das Mädchen im Laufe des ersten Tagebuches entwickelt hat. Einer Anmerkung im zweiten Tagebuch zufolge wollte sie dadurch Papier sparen.
Von 1943 bis Dezember 1945 lebte Hedwig S. mit ihrer Mutter, den Schwestern und einigen Angestellten in einem gemieteten Bauernhaus am Attersee in Oberösterreich. Die Mädchen besuchten hier die Schule und Rosina Z. war als Ärztin tätig. Der Vater verließ Wien Anfang 1945, im Frühjahr 1945 wurden weitere Familien in das Haus einquartiert.
In ihren Tagebüchern schreibt Hedwig S. sowohl von Alltäglichem als auch über politische Themen. Einzelne – meist politische – Ereignisse, wie z.B. ein Kommentar zum Ausgang der Nationalratswahlen im November 1945, sind im - ansonsten winzigen - Schriftbild hervorgehoben. Hedwig S.s retrospektiver Erzählung nach haben die Eltern mit ihr, als Ältester, trotz ihres jugendlichen Alters bereits während des Zweiten Weltkriegs offen über Politik gesprochen und auch gemeinsam ausländische Radiosender gehört.
Neben den Tagebüchern wurde der Scan zweier Fotoalben übergeben. Diese beiden 40 Seiten umfassenden Alben beinhalten ca. 120 Fotografien der Familie Z. von ca. 1925 bis 1950. Hedwig S. hat die Alben anlässlich ihrer Heirat aus dem großen Fotofundus ihrer Mutter selber zusammengestellt.
Zudem liegen 5 kurze autobiografische Texte vor, in denen Hedwig S. das Familienumfeld ihrer Kindheit sowie ihre Schulzeit beschreibt. Der Beitrag "Warum ich kein Hitlermädel war" (4 Seiten) handelt dabei etwa vom BDM (Bund deutscher Mädel). Als Abschriften hat sie zudem eine „Selbstbiographie“ ihres Vorfahren Johann Ignaz S. (geb. 1828) sowie eine lebensgeschichtliche Darstellung ihres Vaters Erich Z. (1893-1978, Basel) übergeben.
Autobiografische Texte von Dr.in Hedwig S. sind Teil der Bestände der Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen. |