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Orte: Munderfing in Oberösterreich, Bad Gastein und Salzburg-Stadt in Salzburg; Berlin, Böckstein, Nienberge und Nordwalde in Deutschland; Ba; l; ti (Balti, Belz) und Tiraspol in Moldawien; Człuchów (Schlochau) in Pommern in Polen; Iași (Jassy) in Rumänien; Temešvár (Temeschwar/Neudorf) in Tschechien; Mykolajiw (Nikolajew) und Sewastopol in der Ukraine u.a. Quellentypen: Korrespondenz (Freundschaftskorrespondenz): 2 Schreiben; 6 amtliche Dokumente; Dokumente zur Schul- und Berufslaufbahn: 6 Zeugnisse und Belobigungen; autobiografische Aufzeichnungen: Text (3 Fassungen, insgesamt 119 Seiten); 30 Fotografien; Weiteres: Zeitungsausschnitte (alles als Kopien) Zum Bestand: Schreiberin: Franziska F. (geb. M.); geb. 1918 in Salzburg-Stadt in Salzburg, gest. 1999 in Nienberge in Westfalen in Deutschland
Schreiberin: Monika B. (geb. F.); geb. 1942 in Człuchów (Schlochau) in Pommern in Polen
Übergeberin: Monika B. (Tochter von Franziska F.), 2009-2011
Die von Franziska (genannt Puppi) F. (geb. M.) um 1980 handschriftlich verfassten Lebenserinnerungen (62 Seiten) sind zum Teil in Briefform an ihre Tochter Monika B. (geb. F., geb. 1942) gerichtet und in verschiedene Hefte und auf verschiedene Unterlage, u.a. in ein Haushaltsbuch, eingetragen. Die Textteile wurden von Monika B. handschriftlich mit thematischen Schlagworten versehen. Beigelegt sind die Kopien des Briefes von Major Kranz, eines ehemaligen Patienten in Berlin, von November 1978 sowie eines undatierten Briefes einer Freundin namens Margarete.
Monika B. verarbeitete die Texte am Computer zu einer 58-seitigen Fassung mit dem Titel „Lebenserinnerungen. Emanzipation überflüssig. Von Puppi zu Oma Franzi“, der eine Porträtfotografie von Franziska F. sowie 6 Familienfotografien in Kopie, darunter zwei Hochzeitsbilder, beigelegt sind. Die zweite, gebundene Fassung trägt den Titel „Emanzipation überflüssig. Die Lebenserinnerungen von Franziska F., geb. M. 1918-1999“ und wurde von Monika B. 2010 im Selbstverlag herausgegeben. Sie enthält ein Vor- und Nachwort von Monika B., eine „Zeittafel“ zur Biografie ihrer Mutter und 52 Abbildungen. Diese zegen Fotografien von ihr und ihrer Familie aus dem Zeitraum von 1920 bis 1980 sowie amtliche Dokumente wie Geburtsschein oder Reisepass, Auszeichnungen für den Fronteinsatz als Krankenschwester und einige Zeitschriftenartikel. Monika B. fügte außerdem mehrere Grafiken zu Franziska F.s Aufenthaltsorten und Reiserouten ein.
Im ersten Teil ihres Textes beschreibt Franziska F. ihre Kindheit und Jugend in der Stadt Salzburg. Sie wurde 1918 als Jüngste von 10 Geschwistern geboren. Ihr Vater Josef M. starb, als Franziska F. eineinhalb Jahre alt war, ihre Mutter Amalie M. lebte von den Mieteinnahmen zweier Zinshäuser. Nach der Hauptschule arbeitete Franziska F. ab 1935 im Haushalt der Mutter und der älteren Schwester, die vier Kinder hatte, 1938 dann als Hausmädchen in einer Rechtsanwaltsfamilie.
Der nächste Schauplatz des Textes ist die Krankenschwesternschule im Rot Kreuz Krankenhaus (DRK) in Berlin Weißensee, die sie ab Oktober 1939 besuchte und wo sie auch ihren späteren Ehemann, den Oberarzt Dr. Alfons F. (1910-1966) kennen lernte: „Der zu operierende Unfallpatient hatte Dr. F. und mich zusammengebracht. Natürlich wurde der Abstand eingehalten.“ Im Text werden der Arbeitsalltag auf der Krankenstation, das Personal und die Kolleginnen genau beschrieben.
Nach dem Staatsexamen im Februar 1940 wurde Franziska F. als Kriegskrankenschwester zum Fronteinsatz eingezogen: „Nach und nach forderte die Wehrmacht immer mehr Schwestern an.“ Franziska F. war in Temešvár (Temeschwar/Neudorf) in Tschechien, Iași (Jassy) in Rumänien, Balti und Tiraspol in Moldawien, Nikolajew in der Ukraine und Sevastopol auf der Krim stationiert. Auch von hier werden die Versorgung der verletzten Soldaten und der Kriegsalltag detailliert dargestellt. Im März 1942 heirateten Franziska und Alfons F. nach eingeholter Erlaubnis in Salzburg. Nach einem kürzeren Kriegseinsatz in Berlin schied Franziska F. aus der DRK-Schwesternschaft in Weißensee aus.
Sie übersiedelte nach Cz łuchów (Schlochau) in Pommern in Polen, wo 1942 ihre Tochter geboren wurde. Im Text schildert sie weiters die Geburt ihres Sohns Wolfgang im Jänner 1945, ihre Flucht aus Pommern und später aus Berlin nach Österreich, von wo sie im Herbst 1945 nach Deutschland zurückkehren musste: „Die Stimmung gegenüber den Deutschen wurde immer misslicher. Jeder Österreicher war ja schon immer gegen die Nazis gewesen! (…) So lösten die Deutschen in ihrer Rolle die Zwangsarbeiter ab.“ Franziska F. und ihre Familie lebten in Nordwalde bei Verwandten, bevor ihr Ehemann eine Stelle als Arzt in Nienberge in Westfalen fand und sie Mutter weiterer vier Buben wurde. Mit der Beschreibung der Anfangszeit des Nachkriegslebens enden die autobiografischen Aufzeichnungen. |