Archivgut Nachlass

Theresia V. NL 12

1941, September 1946 bis Juli 1979

Weitere Informationen

Einrichtung: Sammlung Frauennachlässe | Wien
Jahr: 1941, September 1946 bis Juli 1979
Beschreibung:

Orte: Bad Pirawarth in Niederösterreich


Quellentypen: Tagebuch (Frauentagebücher, während dem 2. Weltkrieg geführtes Tagebuch, Wirtschaftsbuch): 7 Bände; Korrespondenz (Feldpost aus dem 2. Weltkrieg): 1 Schreiben; Dokumente zur Schul- und Berufslaufbahn: 1 Schulheft; 1 Fotografie; Weiteres: Lebensmittelmarken, Rechnungen etc.


Zum Bestand: Schreiberin: Theresia V. (geb. E.); geb. 1901, Geburtsort und Todesdaten unbekannt

Übergeber: Alfred K. (Zufallsfund), 1997



Theresia V. (geb. E.) betrieb gemeinsam mit ihrem Ehemann eine Mühle und eine kleine Landwirtschaft im niederösterreichischen Weinviertel. Ihr Nachlass umfasst 7 Tagebücher mit Einträgen von Juni 1945 bis Juli 1979, einzelne Bände wurden auch als Rechen- oder Haushaltsbuch verwendet: Das früheste der Bücher hatte als „Mahl- und Schrottbuch“ 1941 ursprünglich dazu gedient, die Menge des in der so genannten „Walzmühle“ gemahlenen Getreides zu dokumentieren und zu verrechnen. Die Einträge in den Tagebüchern sind zum Teil nicht chronologisch aufeinander aufbauend, die zeitlichen Lücken zwischen den einzelnen Bänden lassen zudem darauf schließen, dass der Bestand nicht vollständig vorliegt. Die Bücher haben verschiedene Formate, teilweise sind sie vorgedruckte Rechenbücher. Bei einigen fehlen die Deckblätter, aber alle beinhalten verschiedene Einlagen (Rechnungen, Kostenaufstellungen, Lebensmittelmarken aus dem Zweiten Weltkrieg, Notizen, Zeitungsausschnitte u.a.).

Vom Aufbau her folgen die einzelnen Einträge (insbesondere der späteren Tagebücher) zumeist einem gewissen Schema: Zum Datum vermerkt die Schreiberin regelmäßig die oder den Tagesheiligen, beschreibt die Wettersituation und die Mondphasen sowie die Zahl der Eier ihrer Hühner. Sie vermerkt die von ihr verrichteten Arbeiten im Haus, am Feld und am Bauernhof, Ereignisse ihre Tiere betreffend sowie Informationen, die sie im Radio gehört hat. Daneben kommen häufig retrospektive Passagen vor, in denen Verstorbener oder zurückliegender Ereignisse gedacht wird. Die Tagebücher wurden für Theresia V. zu Gedenkbüchern, in denen sie auch regelmäßig las, was sie durch häufige Verweise auf frühere Einträge dokumentierte.

Vielfach sind die Einträge auch als Zwiegespräche gestaltet oder Theresia V. richtete darin Appelle an sich selbst. Dabei verwendete sie vielfach Dialekt- und auch Kraftausdrücke. In den späteren Tagebüchern kommen zudem wiederkehrend gewisse Zeichnungen und Symbole vor, die eine bestimmte Bedeutung für die Schreiberin gehabt haben dürften. Ihre Menstruation verzeichnete sie z.B. jeweils mit einem Kreuz.

Zum leitenden Thema in den Tagebüchern wurde für Theresia V. die Erinnerung an ihren im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion vermissten Sohn Willi V. (geb. 1921, Todesdaten unbekannt). Diese Passagen sind zumeist als Gespräch gestaltet und dokumentieren, dass die Bäuerin bis ins hohe Alter auf die Rückkehr ihres Sohnes gehofft hat. Ihr Ehemann Wilhelm V. (geb. 1902, Todesdaten unbekannt) wird hauptsächlich in Bezug auf die von ihm (nicht) geleistete Arbeit am Hof beschrieben, das Ehepaar lebte seit den 1970er-Jahren getrennt. Diese Situation beschreibt Theresia V. als schmerzhaft und demütigend.

Von ihren (in die Tagebücher eingelegten) Korrespondenzen sind Briefentwürfe, z.B. an den Suchdienst des Roten Kreuzes und ein Feldpostbrief des Sohnes von Februar 1943 erhalten. Daneben liegen ein undatiertes Schulheft und eine Fotografie von ihm in Uniform (1943) vor.

Anmerkung:
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    c/o Institut für Geschichte, Universität Wien
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