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Orte: Baden bei Wien in Niederösterreich; Linz und Steyr in Oberösterreich; Wien; Nisko, Kraśnik, Brzesko, Będzin, Miechów u.a. in Polen, Buje auf Istrien u.a. in Kroatien, St. Stino (San Stino di Livenza) in Venetien in Italien sowie weitere Orte an der Front/Kriegsschauplätze im Ersten Weltkrieg u.a. Quellentypen: 6 Bände (Männertagebuch/Soldatentagebuch aus dem 1. Weltkrieg/Kalendertagebücher); Korrespondenz (Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg): 1 Schreiben; 92 amtliche Dokumente (tw. als Abschriften); 30 Dokumente zu Schul- und Berufslaufbahn; 19 Fotografien; Weiteres: 1 (leeres) „Feldpost-Päckchen“ aus dem 1. Weltkrieg, Lebensmittelmarken u.a. Zum Bestand: Adressatin/Besitzerin: Käthe B. (geb. M.); geb. 1897 in Steyr in Oberösterreich, gest. 1973 in Wien
Schreiber/Besitzer: Karl B., 1891-1960, geb. und gest. in Wien
Besitzerin: Emma B. (geb. S., verw. F.); geb. 1902 in Laa an der Thaya in Niederösterreich, gest. 1977 in Baden in Niederösterreich
Übergeberin: Dr.in Sylvia L. (Enkeltochter von Käthe B.), 2023
Käthe (Katharina) B. (geb. M.) ist als Zweitjüngste von neun Geschwistern in Steyr in Oberösterreich aufgewachsen. Ihre Eltern Anna M. (geb. H.) und Karl M. führten hier eine Fabrik, in der das Stechwerkzeug Ahle hergestellt wurde, Karl M. war wie sein Vater „Ahlenschmiedemeister“. Die Familie besaß weiters zwei Häuser, in einem davon wurde eine Gemischtwarenhandlung betrieben.
Käthe B. erster Verlobter starb als Soldat im Ersten Weltkrieg. Von dem jungen Mann namens „Pepsch“ ist 1 Brief aus September 1914 erhalten, den er in Linz abgeschickt hat: „Gebe dir bekannt, daß ich am Sonntag bestimmt frei bin. Würde mich sehr freuen, wenn Du mich besuchen würdest“ (22. September 1914). Dem Brief liegen zwei Edelweiß und weitere getrocknete Blumen bei. Zudem wurde 1 (leeres) „Feldpost-Päckchen“ mit (nicht ausgefülltem) vorgedruckten Etikett aufbewahrt.
Käthe B.s Ehemann Karl B. (1891-1960) war gelernter Elektromechaniker und kam aus Wien. Seine Mutter Betty B. (1869-1949) war Filialistin für die Wiener Molkereigenossenschaft, sein Vater Alois B. (1864-1907) war Werkzeugmacher und bereits verstorben.
Das von Karl B. zwischen Mai 1910 bis August 1912 geführte Wandertagebuch bzw. Tourenbuch enthält auf 50 Seiten zahlreiche Fotografien u.a. von Seilschaften, Stempel von Berghütten, Fotografien, getrocknete Edelweiß, Postkarten, Broschüren, Landkarten u.a. aus dem Gebiet der Hohen Wand in Niederösterreich und den Donauauen (Lobau). Ab Juli 1943 wurde es von seiner Tochter weiterverwendet, deren Nachlass (SFN NL 309 III) es zugeordnet ist.
Von Karl B.s Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg sind 1 Militärpass als „Ersatzreservepionier“ bei den „K. und k. Telegraphenregimen Radioabteilung St. Pölten“ mit Einträgen von November 1912 bis Februar 1915 und 1 (undatiertes) Buch (132 Seiten) zur Ausbildung von Soldaten erhalten.
Sein Soldatentagebuch umfasst auf 206 voll beschriebenen Seiten Einträge von Juli 1914 bis Mai 1918. Es beginnt mit der Einberufung: „27. VII. 1914. Um ½ 6h abds. Einberufung erhalten. (…) 1. VIII. 1914. Ernennung zum Motormann“. In den fast täglichen Einträgen beschrieb der junge Mann teils stichwortartig detailliert seine Tagesabläufe, Dienstzeiten, Witterungsbedingungen und die Verpflegung auf verschiedenen Stationen in Polen, auf Istrien und in Venetien in Italien: „Tgw. 3/4 6h. Dienst bei der Station. Gegengewichte eingraben. Rindfl., Suppe, Polenta mit Powidl. Gegengew. eingraben. Mittag wieder Flieger. (Auch in der Frühe). Löhnung 3K 70l. Kaffee, Wurst, ½ Laib, 30 St. ung. Zigaretten“ (21. Februar 1918). In das Tagebuch eingelegt finden sich neben Notizzetteln, getrocknete Blumen, 1 Karte für das Raimundtheater, 1 Bogen mit Lebensmittelmarken und 1 Straßenbahnkarte auch 1 Atelierfotografie, die anlässlich der (später erfolgten) Verlobung mit Käthe B. aufgenommen worden ist.
Das Paar lernte sich kennen, als er in der Waffenfabrik in Steyer arbeitete. Sie heirateten im September 1919, 1920 kam ihre Tochter Erica L. (geb. B., 1920-2004) zur Welt.
Den Großteil seines Berufslebens war Karl B. beim Technologiekonzern Kapsch in Wien angestellt. Die Familie lebte in der Schrankgasse im Wiener Bezirk Neubau, ihr Sommerhaus war in Spannberg im Weinviertel, von wo Karl B.s Mutter herstammte. Später hatten sie einen Schrebergarten in der Nähe von Wien. Sie waren sportbegeistert und sozialdemokratisch eingestellt.
Von Karl B.s täglichen Aufzeichnungen in Taschenkalendern sind 6 Bände erhalten, der früheste davon aus dem Jahr 1938. Darin verzeichnete er regelmäßig in knappen Stichworten Ereignisse des Tages sowie das Wetter. Im März 1938 u.a. folgendermaßen: „[Montag 14. März] Mittag Schluß, nachm. 15.30 Zusammenkunft Schönbrunnerstr. Ring, Ankunft Hitler 17.50. Klar, Käthe mit [Dienstag, 15. März] 10.00 Schluß, m. J. E. Ring Parade [Mittwoch, 16. März] Klar, abds + 11.5°C“.
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs hielt sich die Familie in Spannberg auf. Sie erlebten hier Plünderungen durch sowjetische Soldaten, Käthe B. und Erika L. auch Vergewaltigungen. In einer handschriftlichen Bescheinigung bestätigte des Bürgermeisters der Ortschaft im Juli 1945, dass „die ganze Familie mit 3 Personen vollständig ausgeplündert wurde“. Erika L. hat diese traumatischen Gewalterfahrungen in einem autobiografischen Text (10 Seiten, ms) und 2 Gedichten beschrieben, die ebenfalls ihrem Nachlass (SFN NL 309 III) zugeordnet sind.
Die Jahre 1955, 1958, 1959 und 1960 sind wiederum durch Karl B.s Kalendertagebücher dokumentiert. In knappen Stichworten verzeichnete er darin das Wetter, Einkäufe, Preise von Konsumwaren, Kontakte und insbesondere auch die Anwesenheiten der 1957 geborenen kleinen Enkelin: „[20. Februar 1959] +2.3°C. Schöner Tag. Vormittag bis gegen Mittag Volksgarten. Butzi kommt in der Frühe bis abends. Otto bringt abends Brikett vom Keller. Pepi 2 Kranz Dürre 98 dkg S 9.80“.
Käthe und Karl B.s Tochter Erika L. arbeitete als Angestellte in einem Ministerium, 1947 hatte sie den Angestellten Otto L. geheiratet. 1957 war ihre Tochter Dr.in Sylvia L. geboren worden, in deren Betreuung die Großeltern wesentlich eingebunden waren.
Von Käthe B. sind an amtlichen Dokumenten jeweils 1 Tauf-, Geburts- Heimats- und Trauungsschein sowie 1 Testament (hs.) aus November 1953, 1 Postausweis und jeweils 2 Sterbeurkunden und Partezetteln aus Jänner 1973 erhalten. Von Karl B. sind es 1 Auszug aus dem Taufregister, die Geburtsurkunde, der Heimatschein sowie 1 Ausweis aus März 1921, 1 „Betreuungskarte für Fliegergeschädigte“ aus März 1945, 1 Testament (September 1953), 1 Staatsbürgerschaftsnachweis sowie 3 Sterbeurkunden und 1 Partezettel aus Dezember 1960. (Die Schriftstücke sind teilweise Abschriften oder Kopien.)
Ihrem Nachlass sind auch Dokumente von Karl B.s jüngerem Bruder Heinrich B. (1905-1975) und seiner Partnerin zugeordnet. Das umfangreiche Konvolut besteht zum überwiegenden Teil aus amtlichen Dokumenten und Dokumentationen ihrer Schul- und Berufslaufbahnen.
Heinrich B. war Gemeindebeamter („Staatsassistent“) in Wien. Emma B. (geb. S., verw. F., 1902-1977) war in Laa an der Thaya aufgewachsen, ihr Vater war Eisenbahner. Sie hatte die Handelsschule besucht und war als Privatbeamtin und Kanzleiangestellte bei verschiedenen Firmen in Wien tätig. 1938 heiratete sie den Versicherungsbeamten Johann F. (1897-1943), der als Soldat im Zweiten Weltkrieg starb. Heinrich und Emma B. lebte sie in Baden bei Wien. Sie heirateten 1972, ihre Wohnung wurde später von ihrer Nichte Erika L. übernommen.
Die insgesamt 103 amtlichen Dokumente aus ihrer schriftlichen Hinterlassenschaft sind Geburts- und Trauungsscheine, Schul- und Arbeitszeugnisse, Heimat- oder Meldebestätigungen, Ausweise und Erkennungskarten, 1 Eheschein, 1 „Ausmusterungsschein“ aus 1942 sowie Sterbeurkunden und Partezetteln, die Sammlung beinhaltet zudem auch Unterlagen ihrer Vorfahr:innen. Das früheste Dokument davon wurde im November 1865 ausgestellt, das späteste im November 1977.
Heinrich B. war Besitzer eines Autos. Dazu liegen sein KFZ-Führerschein aus Juli 1957, 1 Versicherungskarte und 5 Fotografien vor, die ihn und u.a. Emma B. bei Ausflügen zeigen. Neben 10 verschiedenen Portraitbildern (u.a. aus 1938) sind schließlich 3 Fotografien aus 1974 und 1976 erhalten, die bei Besuchen von Erika L. aufgenommen worden sind. |