Tonträger
Interview
Interview von Kristine von Soden mit Frau Dorothea F.
in:
Sammlung: Sammlung K. v. Soden
1992
,
02:47:08 Stunden
Weitere Informationen
| Einrichtung: | Archiv der deutschen Frauenbewegung | Kassel |
|---|---|
| In: | Sammlung: Sammlung K. v. Soden |
| Bestell-Signatur: | ST-49 ; 2-5 |
| Jahr: | 1992 |
| Sprache: | Deutsch |
| Beschreibung: | |
| Kristine von Soden interviewte 1992/93 Frau Dorothea F. zu deren Bildungs- und Berufsweg. Frau F. stammt aus einer Familie mit naturwissenschaftlicher Prägung, sie wollte zunächst Journalistik studieren. Dennoch entschied sie sich 1929 für Jura. Sie studierte in München, Berlin und Königsberg. Sie erzählt, dass Studentinnen damals eine Seltenheit waren, dass sie sich aber nie aufgrund ihres Geschlechtes diskriminiert gefühlt habe. Ihre Generation an jungen Frauen habe sich ehrgeizig und zuversichtlich gefühlt, akademische Laufbahnen ergreifen zu können und habe darum fleißig studiert. Dennoch erzählt sie, dass sie und ihre Kommilitoninnen regelmäßig an den Wochenenden Ausflüge gemacht hätten. Frau F. kann sich nicht an Ausschreitungen gegen jüdische StudentInnen in Königsberg erinnern, aber sie berichtet, dass es besonders nach 1935 für diese immer schwieriger geworden sei. Auch die jüdischen Dozenten seien immer weniger geworden. 1935 promovierte Frau F. und schloss 1937 ihr Studium ab. Da Juristinnen aus einem Großteil der üblichen juristischen Arbeitsfelder ausgeschlossen worden waren, begann sie eine Tätigkeit in der Sozialversicherung einer Berufsgenossenschaft. Dort wurde sie aufgrund ihres Geschlechts nicht befördert und sie wechselte zur u. a. zur Treuhandstelle-Ost und zu einer Schlichtungsstelle im Deutschen Frauenwerk. 1940 heiratete sie und bekam zwei Kinder, blieb aber erwerbstätig, weil sie Hauspersonal hatte. Ihr Mann fiel im Krieg. Nach ihrer Flucht nach Oldenburg wurde sie 1948 entnazifiziert, anschließend absolvierte sie ihre Assessorenzeit, fand eine Stelle im Bundesinnenministerium und wurde als Anwältin zugelassen. Frau F. erzählte, dass viele Frauen in der Verwaltung Probleme mit dem Fortkommen ihrer Karrieren hatten, weil sie während der Nazizeit trotz ihrer Berufstätigkeit nicht verbeamtet worden waren, so dass ihre männlichen Kollegen stets mehr Dienstzeit vorweisen konnten und statt den Frauen befördert wurden. 1963 bis 1973 war Frau F. Leiterin des Frauenreferats im Bundesinnenministerium. In dieser Position arbeitete sie an Gesetzesvorlagen zur Gleichstellung sowie dem § 218. Frau F. berichtete von der allgemeinen Situation von JuristInnen im Dritten Reich und der frühen Bundesrepublik, ihrer Flucht aus dem Osten und dem Neustart in Oldenburg sowie ihren Ansichten zur modernen Frauenbewegung. Sie erklärte auch die berufliche Benachteiligung von Frauen und erklärte die Frauenquote. Zu Frau F.s Dozenten und Bekannten, von denen sie erzählte, gehörten u.a. Emil Dovifat, Karl d'Ester, Wilhelm Pinder, Hans Ritter von Lex, Gerda Krüger-Nieland, Erna Scheffler, Maria Schwarz, Charlotte Schmitt, Franz-Josef Wuermeling, Hildegard Gethmann, Annette Kuhn, Adam und Elisabeth Selbert. Helene Lange war Frau F.s Tante zweiten Grades und beriet die Familie in Bildungsangelegenheiten. | |
| Gesamten Bestand von Archiv der deutschen Frauenbewegung anzeigen | |