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Orte: Amstetten in Niederösterreich; Wien; Hamburg in Deutschland u.a. Quellentypen: Korrespondenz (Freundinnenkorrespondenz, amtliche Korrespondenz): 12 Schreiben; autobiografische Aufzeichnungen: 4 Texte (15 Seiten); Weiteres: 1 Notizzettel und verschiedene Unterlagen Zum Bestand: Schreiberin: Anna F.; Geburtsdaten unbekannt, gest. 1978 in Wien
Schreiberin/Übergeberin: Dr.in Elisabeth F., geb. 1941 in Großbritannien, 2018
Dr.in Elisabeth F. hat 2017 in der Zeitschrift „Zwischenwelt. Literatur Widerstand Exil (34/2017/4, 4 Seiten) den Text „Bruchstücke aus dem Lebenslauf einer außergewöhnlichen Frau“ veröffentlicht. Darin sind die Erinnerungen an ihre Bekannte beschrieben, die unter dem Namen Anna F. in Wien lebte, wo sie sie „irgendwann Ende der Sechzigerjahre“ kennengelernt hatte. Elisabeth F. war selbst während der Zeit des Exils ihrer Eltern in Großbritannien geboren worden und u.a. im Kontext des österreichischen Zweigs der pazifistischen Organisation „Internationaler Versöhnungsbundes“ aktiv.
In der Sammlung Frauennachlässe liegt ihr Text zu Anna F. auch in der Version mit dem Titel „Ein Versuch, in Zeiten der Lüge in der Wahrheit zu leben. Bruchstücke aus dem Lebenslauf einer außergewöhnlichen Frau“ (PC, 7 Seiten) vor. Die Erzählung enthält einerseits fragmentarische Lebenserinnerungen der Freundin, andererseits werden auch Besuche von und bei ihr beschrieben. Grundlagen der Aufzeichnungen waren u.a. ein Gedächtnisprotokoll (2 Seiten, PC) und die (vermutlich darauf aufbauenden) „Erinnerungen von Frau Anna F.“ (2 Seiten, PC), die Elisabeth F. in den 1970er-Jahren zusammengestellt hat. Beide Texte sind in Auszügen auch in die Erinnerungen eingearbeitet.
Von Anna F. selbst liegen 2 Briefe mit zusammen 6 Seiten (als Scans) vor, die sie im Herbst an Elisabeth F. adressierte. Themen sind dabei ein Besuch sowie der weitere Kontakt der zwei Freundinnen. Von dem letzten Treffen bei Elisabeth F. 1976 ist eine halbseitige handschriftliche Notiz von Anna F. (als Scan) vorhanden, die sie zum Abschied hinterlassen hat: „(…) ich will mein Leben nochmals ganz neu! anfangen. Das nenne ich ‚meine Ruhe haben‘. Was ich noch ‚erleben‘ werde?“
Die von Elisabeth F. recherchierten Personenstandsdaten wiesen Anna F. als (ehemalige) Erzieherin und Privatlehrerin für Sprachen aus. In den lebensgeschichtlichen Erzählungen hat sie Elisabeth F. gegenüber von folgenden Stationen in ihrem Leben berichtet: Ihr Vater war Jäger bei einer gräflichen Familie gewesen, wo sie gemeinsam mit den Töchtern der Arbeitgeber:innen unterrichtet wurde und damit eine gute Bildung u.a. in Französisch erhielt. 1925 heiratete sie einen Förster, der ein Gut in Wien verwaltet hat. Nach seinem frühen Tod bewirtschaftete Anna F. gemeinsam mit ihrem Sohn dieses Gut weiter. In der Zeit des Nationalsozialismus lebte sie in Hamburg, war als Übersetzerin tätig und wurde von SS-Männern mit dem Vorwurf der „Wehrkraftzersetzung“ verhaftet. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis sah sie ihren eigenen Namen auf einer Anzeigetafel für Hinrichtungen. Seit damals galt sie offiziell als tot und lebte ohne Papiere. Ihr junger Sohn versteckte sich Ende des Zweiten Weltkrieges auf einer Alm, wo er wegen „Wehrdienstverweigerung“ erschossen wurde. Anna F. lebte unter prekären Verhältnissen wieder in Wien, u.a. in Ottakring.
Erweitert sind der schriftlichen Erinnerungen von Elisabeth F. an die Freundin durch Informationen aus Archiven sowie Ausschnitten aus Gesprächen mit verschiedenen Personen, die sie im Zuge der Recherchen zum Lebenslauf von Anna F. geführt hat. Eine 2-seitige Aufstellung von Personenstandsdaten zur Geburt, der Ehe, den Wohnorten und den Sterbedaten hat sie aus verschiedenen Pfarrmatriken zusammengestellt. Ihre Forschungstätigkeiten sind dabei anhand von den Auszügen aus 10 Email-Korrespondenzen dokumentiert. |