Archivgut Nachlass

Ruthilt L. NL 2 I

September 1921 bis April 1976

Weitere Informationen

Einrichtung: Sammlung Frauennachlässe | Wien
Jahr: September 1921 bis April 1976
Beschreibung:

Orte: Wien; Gentofte, Jytland, Kopenhagen und Söborg in Dänemark; Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien u.a.


Quellentypen: Tagebuch (Jugendtagebücher, Frauentagebücher): 5 Bände; Aufzeichnungen in Buchform: 51 Taschenkalender; Korrespondenz (Familienkorrespondenz, Kinderkorrespondenz, Freundschaftskorrespondenz, Korrespondenz aus der Emigration): ca. 2.500 Schreiben; 25 amtliche Dokumente; Dokumente zur Schul-, Universitäts- und Berufslaufbahn: 44 (Schul)Zeugnisse, 38 Schulhefte, Studienbuch der Universität Wien; Weiteres: Zeichnungen, Broschüren


Zum Bestand: Schreiberin: Ruthilt L. (geb. H.); geb. 1911 in Wien, gest. 1993 in Söborg bei Kopenhagen in Dänemark

Übergeber/innen: Friedrich P. (Schwager von Ruthilt L.) und Gunvor S. (Tochter von Ruthilt L.), 1997-2012



Ruthilt L. (geb. H.) wurde 1911 als ältere der zwei Töchter der Lehrerin Mathilde H. (geb. H., 1884-1970) und des Lehrers Ottokar H. (1879-1959) in Wien geboren. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg verbrachten sie und ihre Schwester Dietgart P. (geb. H., 1914-1982) mehrmals die Sommermonate zur Erholung in Jytland in Dänemark. Der Kontakt der "Wiener Kinder" mit ihrer Gastfamilie war über eine Aktion des Roten Kreuzes zustande gekommen und wurde ein Leben lang aufrechterhalten. Ruthilt H. besuchte den mathematischen Zweig eines Realgymnasiums, von 1929 bis 1932 studierte sie Philosophie und Germanistik an der Universität Wien. Wie ihre Mutter Mathilde H. war sie Mitglied der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF). Der Familienerzählung zufolge trug sie an der Universität mehrfach öffentliche Konflikte mit antisemitisch und nationalsozialistisch eingestellten Kommilitonen aus, auch in der Zeit des Holocaust engagierte sie sich entsprechend.

Ab 1933 setzte sie ihr Studium in Kopenhagen fort, schloss es jedoch nicht ab. 1935 heiratete sie Karsten L. (1901-1977), später Ministerialrat im Verwaltungsdienst. 1939, 1942 und 1950 kamen ihre drei Kinder zur Welt. Die Familie lebte in Gentofte und später Söborg, beides Vororte von Kopenhagen. Ruthilt L. unterrichtete Geschichte, Geografie und Literatur an einer Volkshochschule in Kopenhagen und veröffentlichte zahlreiche Fachartikel. Im und nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte sie private Hilfsaktionen für Verwandte und Bekannte in Österreich und Dänemark. 1962 wurde ihr ein Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Ihr schriftlicher Nachlass umfasst 5 (Mädchen-)Tagebücher von Juni 1922 bis Oktober 1930. Im Juli 1933 hat sie Auszüge aus den Einträgen von 1926 bis 1930 mit Schreibmaschine ab- und umgeschrieben und teilweise auch kommentiert (So etwa sehr selbstironisch am 8. September 1926: „Wenn man so nach zwei Jahren seine Jeremiaden liest, so denkt man sich: Meingott war ich aber patschert“). Von 1929 bis 1976 liegen insgesamt 51 Kalender vor.

Ruthilt Lemches Schul- und Universitätslaufbahn ist anhand von 44 Schul- und Universitätszeugnissen, 38 Schulheften aus 1921 bis 1926, Skizzenheften, verschiedenen Mitschriften, Textentwürfen und Seminararbeiten sowie mehreren Meldebüchern dokumentiert.

Der Bestand ihrer Korrespondenz umfasst ca. 2.500 Schriftstücke. Ein kleiner Teil davon wurde vorgeordnet und gebunden aufbewahrt, darunter v.a. Korrespondenzen mit Freundinnen und Freunden, u.a. auch mit ihren Universitätslehrern, etwa dem Politologen und Philosophen Ernst V. oder dem Skandinavisten Siegfried G..

Den größten Teil der Korrespondenz macht der über mehr als fünf Jahrzehnte geführte Briefverkehr (Jänner 1926 bis April 1976) aus der Emigration mit ihrer Mutter Mathilde H. und der Schwester Dietgart Pagratz in Wien aus. Weitere Schreiberinnen und Adressatinnen sind u.a. die Tanten Maria (genannt Mimi) J. (geb. H., 1885-1970) in Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien sowie Carola (genannt Alla) T. (geb. H., 1885-1976) und Berta H. (1880-1946) in Wien.

An amtlichen und geschäftlichen Dokumenten von Ruthilt L. sind neben 4 Reisepässen die 4 Meldebücher der Wiener und der Kopenhagener Universität vorhanden, daneben verschiedene Mitgliedsausweise und Papiere sowie Verzeichnisse über ihre Aussteuer. Weiters vorhanden ist eine Vielzahl von Zeitungsausschnitten und Druckschriften von 1918 bis 1942.

Die Nachlässe von Ruthilt L., ihrer Mutter Mathilde H. (SFN NL 1) sowie ihrer Schwester Dietgart P. (SFN NL 2 II) wurden seit 1997 durch mehrfache Nachreichungen stetig erweitert.

2019 veröffentlichte Gunvor S., die Tochter von Ruthilt L., im Selbstverlag das autobiografische Buch "100 Jahre Ping Pong. Eine Familie zwischen Österreich und Dänemark" (257 Seiten), in dem sie sich aus der Retrospektive auch mit den Biografien von Mathilde H., Ruthilt L. und Dietgart P. beschäftigt hat.

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